27 févr. 2022
17h00
Église St Jean-Baptiste Moesdorf
Die vier Jahreszeiten des Trobars Der Chansonnier de St-Germain-des-Prés (1230-1270) als erstes musikalisches Zeugnis der Trobadore und Trouvères

In der mittelalterlichen Tradition des Trobars inspirierte die Beobachtung der Natur und des Laufs der Jahreszeiten den jeweiligen Poeten, sich der Dame seines Herzens zu entsinnen und seiner Liebe zu ihr Ausdruck zu verleihen: Lieder mit Bezug auf die verschiedenen Jahreszeiten entstanden, in denen die Empfindungen des Liebenden zu Phänomen der Natur das Jahr hindurch analog gesetzt wurden. So entstanden wunderbar emotionale Werke von erstaunlicher Vielfalt und beeindruckender Charakteristik. Der Mensch nahm die Natur als eine schaffende Kraft wahr und wurde als Teil ihrer Kontinuität verstanden, indem er ein neues Lied „fand“ (trobar – trouver), das sich mit den Empfindungen befasste, die der Wechsel und die immerwährende Wiederkehr der Jahreszeiten in ihm erweckten. Von Natur aus den Gesetzmäßigkeiten der Liebe unterworfen, wurde er seinerseits zum Schöpfer.

In diesem Programm werden die Besonderheiten des französischen und okzitanischen monodischen Repertoires untersucht, das in der um 1240 in Metz erstellten Handschrift St-Germain-des-Prés enthalten sind (Trouvère U, Troubadour X). Diese faszinierende Quelle zählt zu den frühesten musikalischen Zeugnissen der Tradition des Oïl und des Oc, und sie macht uns mit der überraschenden und klangvollen mündlichen Überlieferung des Mittelalters bekannt.


LE MIROIR DE MUSIQUE

Das Ensemble Le Miroir de Musique ist auf die Musik des Spätmittelalters und der Renaissance spezialisiert – von der Zeit der Trobadore bis zur Epoche der Humanisten im 16. Jahrhundert. Es ist aus der neuen Generation von Interpreten alter Musik hervorgegangen und wird von Baptiste Romain (mittelalterliche Fidel, Renaissance-Geige) geleitet. Die Mitglieder des in Basel (CH) beheimateten Ensembles sind fast alle Absolventen der Schola Cantorum Basiliensis. Im Vordergrund stehen ein reicher Klang, die Berücksichtigung der musikalischen Intention und die verschiedenen Formen instrumentaler Virtuosität.

Das Bild vom „musikalischen Spiegel“ ist dem Traktat Speculum Musicae des Jakobus von Lüttich entlehnt und spiegelt unsere Absicht wider, ganz im Geiste und in Kenntnis der originalen Quellen ein lebendiges Bild der Umstände und Repertoires des Mittelalters und der Renaissance zu malen. 

Programme
Winter
Peire d’Alvernhe
De joste as brief jors
Chastelain de Coucy
Lors kant rose ne fuelle ne flor ne voi paroir

Frühling
Jaufre Rudel
Quant li rus de la fontaine
Anonyme
Chevauchoie les un bruel
Anonyme
Quant li rosignols s’escrie
Bernart DE VENTADORN
La dolce vois ai oide

Sommer
Anonyme
A l’entrade del tens clar
Chastelain de Coucy
Al renovel de la dolçor d’esté
Gautier d’Epinal
Quant je voi l’erbe menue

Herbst
Chrétien de Troyes
Quant li doz estez decline
Guiot de Provins
Ma joie premeraine m’est torneie en pesance
Gaces Brulé
Quant flors et glais et verdure s’esloigne
Perdigon
Molt ai estat q’en bon esper non vi
Le Miroir de Musique (Ch)
Miriam Trevisan
Sopran
Matthieu Romanens
Tenor
Aliénor Woltèche
Fidel
Brunot Caillat
Perkussion
Baptiste Romain
Fidel, Dudelsack & Leitung

¡Ay, bello esplendor! Una fiesta barroca española
13.03.2022 - 17h00
Bach Dynasty
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