26 Feb 2023
17h00
Eglise de Lorentzweiler
CONCERT 4 - Ensemble Delectus Cantionum

Johann Caspar Kerll

Johann Caspar Kerll wurde am 9. April 1627 in Adorf im Vogtland als Sohn protestantischer Eltern geboren. Sein Vater, Caspar Kerll, stammte aus St. Joachimsthal (Jáchymov) in Böhmen. Er war Organist und Orgelbauer. Er kam 1625 nach Adorf, um zusammen mit Jacob Schedlich, der ebenfalls aus Joachimsthal stammte, eine neue Orgel zu errichten.


In Adorf heiratete Caspar Kerll Catharina Hendel und machte sich als Organist und Orgelbauer ansässig. Ersten Musikunterricht erhielt der junge Johann Caspar Kerll vermutlich von seinem Vater.


Die weiteren Stationen seiner musikalischen Ausbildung sind noch wenig erforscht. Um das Jahr 1641 schickte Erzherzog Leopold Wilhelm, der jüngste Sohn von Kaiser Ferdinand II., den jungen Johann Caspar nach Wien zu Hofkapellmeister Giovanni Valentini zur weiteren musikalischen Ausbildung.


Wie die Familie Kerll die Verbindung zum Erzherzog fand, ist nicht bekannt.


Erzherzog Leopold Wilhelm spielte bis zu seinem Tod 1662 für die weitere Entwicklung des aufstrebenden Talentes eine bedeutende Rolle. Kerll wirkte zunächst als Organist von 1647 bis 1656 am Hof des Erzherzogs in Brüssel.


Sicher hat Leopold Wilhelm auch für die weitere Ausbildung Kerlls bei Giacomo Carissimi von 1649 bis 1651 in Rom gesorgt. Kerll kam in Rom mit bedeutenden Musikern und Gelehrten in Kontakt. Von Haus aus war er protestantisch erzogen. Vermutlich ist er durch den katholischen Hof Leopold Wilhelms und durch seine vielfältigen Kontakte zu Jesuiten in Rom, insbesondere zu Anathasius Kircher, zum katholischen Glauben konvertiert.


1656 trat Kerll seine Anstellung als Hofkapellmeister bei Kurfürst Ferdinand Maria in München an.

Mit seiner Oper L’ORONTE wurde am 13. Februar 1657 das umgebaute Opernhaus am Salvatorplatz eröffnet. Leider ist keine seiner 11 Opern erhalten geblieben. Das ist höchst bedauerlich, da uns für Kerlls Bedeutung als Komponist ein wesentlicher Teil seiner Werke fehlen. Die prächtigen Darstellungen der Bühnendekorationen in den erhaltenen gedruckten Textbüchern verraten außerordentlichen Prunk und höfische Repräsentation.

Kerll war auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Komponist, Kapellmeister und Organist angelangt. In den folgenden Jahren wurde er vielfach geehrt und am 1. März 1664 vom Kaiser auf dem Reichstag zu Regensburg geadelt. Er war ein gesuchter Kompositionslehrer.

1669 ließ er in München vom Hofdrucker Johann Jaecklin seinen ersten Druck, das DELECTUS SACRARUM CANTIONUM, veröffentlichen, den er Kurfürst Ferdinand Maria widmete.

Für diese Sammlung komponierte Johann Caspar Kerll 26 geistliche Konzerte, die sich musikalisch auf der Höhe seiner Zeit mit Werken von Johann Hermann Schein und Heinrich Schütz messen können.

Lange Zeit galt dieser Druck als verschollen. Nunmehr existieren nur noch wenige Exemplare dieses Druckes weltweit.


Johann Caspar Kerll war ein genialer Musiker und Komponist im 17. Jahrhundert, dessen Bedeutung wir pflegen und zu neuem Glanz verhelfen. Seine Werke strahlten auf nachfolgende Generationen von Meistern. Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel verehrten ihn und zitierten seine musikalischen Themen in ihren Kompositionen.


Wolf Matthias Friedrich

Verein Klassische Musik Adorf/V. e.V.

Vorsitzender

www.klassik-adorf.de

PROGRAMME
Johann Caspar Kerll
(1627-1693)
Geistliche Konzerte aus
Delectus Sacrarum Cantionum
München 1669
Cantate laudes Mariae
Amor cor meum
Age plaude
Cappricio sopra il Cucu
Refulsit sol
Laetabundus
Ave Regina
Passacaglia
Alma Redemptoris Mater
Salve Regina
O mortales
Sonata à 2
O amor Jesu
Plorate
Regina Caeli
Kristen Widmer &
Magdalene Harer
Sopran
Piotr Olech
Alt
Guy Cutting &
Benedict Hymas
Tenor
Wolf Matthias Friedrich &
N.N.
Bass
Anaïs Chen &
Johannes Fritsch
Violine
Matthias Müller
Violone
Matthias Spaeter
Chitarrone
Simon Reichert
Orgel

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