12 März 2023
17h00
Eglise de Colmar-Berg
CONCERT 5 - ENSEMBLE ASTROPHIL & STELLA

Zwischen 1558 und 1603, der Zeit, in der Elisabeth I. in England regierte, gingen bedeutende politische Reformen und der Aufschwung des internationalen Aussenhandels mit einer kaum zuvor je dagewesenen Glanzzeit von Kunst und Kultur in England einher. In dieser Zeit erlebte das englische Madrigal seine Blütezeit, die mit der Entwicklung des englischen Theaters und seinem berühm testen Protagonisten Shakespeare Hand in Hand ging.

Dennoch erlebte die englische Gesellschaft durch Kriege, religiöse Unruhen und Verschwörungen Zeiten großer Angst und Unsicherheit. Das Aufblühen der Liebesdichtung und der Madrigale, ihrer musikalischen Entsprechung, spiegeln das starke Bedürfnis nach Rückzug ins Private wider. Neue, intime Ausdrucksformen in Poesie und Musik werden in adeligen Kreisen und am Hofe Elisabeths I. kultiviert.

In diesem Programm erforscht astrophil & stella die Rhetorik dieser Formen, die über fröhliche Fantasien, Dowlands melancholische Lachrimae, liebeskranke Madrigale bis hin zu zurückgezogenen musikalischen Zufluchten reicht. Die Emotionalität dieser Musik vermag es, über die höfische Eleganz der äusseren Form hinweg das heutige Publikum unmittelbar zu berühren.

ASTROPHIL & STELLA

Astrophil & stella ist ein Musikerkollektiv für Renaissancemusik und wurde von der Flötistin Johanna Bartz ins Leben gerufen. Für jedes Konzert und Projekt musiziert das Ensemble in einer einzigartigen Besetzung von begeisterten Spezialisten für Renaissancemusik zusammen. Polyphone Renaissancewerke und frühbarocke Musik erklingen im Broken Consort mit Gesang oder rein instrumental, immer in farbenreichen Konstellationen rund um die Renaissancetraverso – die in Europa weit verbreitete Querflöte des späten 15. bis frühen 17. Jh., die im heutigen Konzertleben eher selten zu hören ist.


Das Ensemble spielt regelmässig Konzerte ganz Europa. Anlässlich des Luther-Jahres 2017 ist astrophil & stella zur „Rheinsberger Hofkapelle“ berufen worden und hat als Ensemble in Residence an der Rheinsberger Musikakademie und Schloss gespielt und geforscht. 2020 ist das Ensemble für die Teilnahme am Ecos Lab für innovative Konzertformate des Ecos Festivals (Sierra Espuña) ausgewählt worden.


Der Name „astrophil & stella“ bedeutet „Der Sternenliebhaber und (sein) Stern“ und stammt von der gleichnamigen Sonettsammlung des englischen Dichters Sir Philip Sidney aus dem Jahr 1591. Dem Ensemble ist es wichtig, dass die aufgeführte Musik in einem grösseren Kontext gestellt wird – es konzentriert sich dabei besonders auf Konzertformate und Räumlichkeiten, die dem Publikum ein unmittelbares Miterleben der Musik der Renaissance ermöglicht.


www.ensembleastrophilandstella.com

PROGRAMME
There is a garden in her face,
where roses and where lilies grow.
A heav’nly paradise is that place
wherein all pleasant fruits doe flow.

Sir Philip Sidney
(1554-1586)
Loving in truth
(aus Astrophil and Stella, 1591)
Christopher Tye
(um 1505-1572)
In Nomine
Thomas Campion
(1567-1620)
There is a garden in her face
Thomas Morley
(1557-1602)
Fantasie „La Sirena“
Thomas Campion
Sweet exclude me not
Thomas Morley
Fantasie „La Caccia“
Thomas Campion
Silly Boy
PROGRAMME I
Farewell disdainful, since no love avails
me. Needs must I part, alas, yet parting
makes me languish.

Thomas Campion
Where are all thy beauties now
John Dowland
(1562-1626)
Lachrimae Antiquae
Giles Farnaby
(1563-1640)
Lady, when I behold your passion
John Dowland
Lachrimae Tristes
Thomas Morley
Farewell disdainful
John Dowland
Lachrimae Verae
PROGRAMME II
To musicke bent my retyred mind,
and fain would I some song of
pleasure sing: But in vain joies no
comfort now I find: From heavenly
thoughts all true delight doth spring.

Anonym
Uppon La Mi Re
William Byrd
(1540-1623)
Why do I use my paper, pen and
ink
Thomas Morley
Fantasie „Il Lamento“
Thomas Campion
Out of my soules depth to thee my
cries have sounded
Thomas Campion
To musicke bent is my retyred mind
John Dowland
Sir Henry Umpton’s Funeral
Thomas Campion
Never weatherbeaten sail more
willing bent to shore
PROGRAMME III
Die Kompositionen dieses Programmes sind den folgenden Quellen entnommen:
Thomas Campion:
Two Bookes of Ayres, ca. 1613
Thomas Morley:
The first booke of Canzonets in two
Voyces, 1595
The seconde booke of
Canzonets in two Voyces, 1595
Canzonets or Little Short Songs to
Three Voyces, 1593
John Dowland:
Lachrimae, or Seven Tears, 1605
William Byrd:
Dow Partbooks, Christchurch, ca.
1580
Christopher Tye:
ms. O.B. 212-216, No. 1
Giles Farnaby:
Canzonets to Four Voyces, 1598
Sophie Charlotte
Nachtsheim
Sopran
Martin Jantzen,
Anna Danilevskaia,
Filipa Meneses,
Bruno Hurtado Gosalvez
Viola da Gamba
Claire Piganiol
Doppelharfe
Johanna Bartz
Renaissance-Traverso und
Leitung

Sophie Charlotte

Nachtsheim

-

Sopran


Sophie Charlotte Nachtsheim begann ihren musikalischen Werdegang am Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz in Montabaur, wo sie Gesangsunterricht bei Martina Hennemann hatte und in verschiedenen Kammerchören mitwirkte. Zudem nahm sie auch Harfenunterricht bei Blanche Birdsong. Weitere musikalische Erfahrungen sammelte sie in Gesangsstunden mit Barbara Schlick.

Mit Beginn ihres Gesangsstudiums im Jahr 2011 spezialisierte sie sich hauptsächlich auf das Repertoire der Alten Musik und dessen historische Aufführungspraxis. Sie studierte fünf Jahre an der Schola Cantorum Basiliensis, Hochschule für Alte Musik in Basel in der Klasse von Evelyn Tubb.

Dort begann sie auch mit dem Spiel der Barockharfe und hatte mehrere Jahre Unterricht bei Heidrun Rosenzweig. Im Rahmen ihres Studiums nahm sie unter anderem an Meisterkursen mit Margreet Honig, Peter Kooij, Andreas Scholl und Emma Kirkby teil. Im Sommer 2016 schloss sie ihren Performance Master ab und rundete ihr Studium anschließend mit den Advanced Vocal Ensemble Studies unter der Leitung von Anthony Rooley und Evelyn Tubb ab. Sie ist Teil des Vokalensembles InVocare, welches sich während dieser Studien gründete und sich dem Madrigalrepertoire des 16. und 17. Jahrhunderts widmet. In den vergangenen Jahren musizierte sie außerdem in verschiedensten Besetzungen und mit diversen Ensembles wie etwa der Zürcher Sing-Akademie, Cembaless, dem Concerto delle Dame, dem Hassler-Consort, astrophil & stella, AUXantiqua, ContraPunct_us und Ad Fontes.

Claire Piganiol

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Harfe


Claire Piganiol spielt Repertoire vom Mittelalter bis zu zeitgenössischen Werken auf historischen Instrumenten (Harfe, Blockflöte, Organetto).

Sie spielt mit Ensembles wie Gilles Binchois, Tetraktys und Le Miroir de Musique für Mittelalter- und Renaissance-Repertoire, Le Parlement de Musique, Akadêmia und Kesselberg für Barockmusik. Sie setzt bei Musikfestivals (Oude Muziek Utrecht, Festtage Alte Musik Basel, Festival de Davos, Forum für alte Musik Zürich ...), an Opernhäusern (Amsterdam, Lille, Reims, Dresden, Luzern) sowie in geschichtsträchtigen Kulturbauten (Schloss Versailles, Kloster Mariastein, Kloster Einsiedeln) musikalische Akzente.

Sie unterrichtet in der Schweiz und erteilt regelmässig Kurse und Masterclass, beispielsweise bei den Mittelaltermusikwochen Besalu, Spanien und bei der Settimana Musicale del Trecento in Arezzo, Italien.

Martin Jantzen

-

Viola da Gamba


Martin Jantzen studiert Gambe bei Paolo Pandolfo in Basel. 2018 war er Finalist beim „Bach-Abel-Wettbewerb“ in Köthen. Während seines Cellostudiums in Frankfurt lernte er die Vorzüge der Violen da gamba kennen und erarbeitete mit Heidi Gröger die faszinierende Klangwelt dieser Instrumente. Neben den häufiger verwendeten Gamben beschäftigt sich Martin mit seltenen Instrumenten wie dem Arpeggione, um auch solche Raritäten zum Klingen zu bringen. Seine Leidenschaft zur Kammermusik zeigt sich in den jüngsten Erfolgen seiner Ensembles: mit Amaconsort 2021 den 1. Preis beim internationalen „Van Wassenaer“-Wettbewerb in Utrecht, mit Flor Galante im selben Jahr den 1. Preis beim internationalen „Berliner Bach Wettbewerb“ uvm.


Unterstützt wurde Martin in seinem Studium von verschiedenen Stipendien u.a. von der Kalliope Stiftung, der GFF der HfMDKrankfurt und der Sinfonima Mannheim. Er studierte neben anderen bei Prof. Jean-Guihen Queyras, Prof. Elena Cheah, Jan Ickert und arbeitete u.a. mit jungen Komponisten aus seinem Studienumfeld sowie Helmut Lachenmann und Lee Santana.

Anna

Danilevskaia

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Viola da Gamba


Anna Danilevskaia ist spezialisiert auf Repertoire aus dem vierzehnten bis zum siebzehnten Jahrhundert. Sie wurde in eine Musikerfamilie geboren, die ursprünglich aus Sankt Petersburg stammt. Sie begann ihre musikalische Ausbildung im Alter von sechs Jahren auf verschiedenen Instrumenten und entdeckte im Alter von fünfzehn Jahren die Fidel und die Viola da Gamba.

Sie studierte bei Pedro Memelsdorff in Barcelona und später an der Schola Cantorum Basiliensis, wo sie sich auf die mittelalterliche Fidel spezialisierte und anschließend einen Master für frühe Gambeninstrumente bei Paolo Pandolfo erwarb.

2014 gewann sie mit dem Ensemble Duvinsela den ersten Preis des Biagio-Marini-Wettbewerbs mit einem Programm mit italienischer Musik des siebzehnten Jahrhunderts. Im Jahr 2014 gründete sie ausserdem ihr eigenes Ensemble Sollazzo, das sich der Musik des Mittelalters und der Renaissance widmet. Zum ersten Mal in einer Leitungsposition, brachte die Arbeit mit Sollazzo sie dazu, verschiedene Wege zu erkunden, ihr Repertoire zu erforschen und eine musikalische Sprache zu entwickeln, die von Kritikern als „einzigartig, gewagt und doch respektvoll“ bezeichnet wurde.

Sollazzo wurde mit dem ersten Preis, dem Publikumspreis und dem Cambridge-Preis beim York Early Music ausgezeichnet und vom eeemerging-Programm der Europäischen Union für junge Ensembles für Alte Musik gefördert. Die von Sollazzo veröffentlichten Aufnahmen haben zahlreiche Auszeichnungen erhalten, z.B. „Disc of the Year“ (The Art Desks), „Editor’s Choice“ (Grammophone), „Critic’s Choice“ (De Standaard), „CD of Choice“ (BBC Magazine) und den „Diapason d’Or de l’Année“. Seit 2018 ist das Sollazzo Ensemble Associé der Abtei von Ambronay. Zu den gegenwärtigen Projekten gehört die Aufnahme des gesamten Leuven-Chansonniers in Zusammenarbeit mit der Stiftung Alamire.

Filipa Meneses

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Viola da Gamba


Filipa Meneses wurde in Portugal geboren. Nachdem sie ihr Studium als Konzertpianistin an der ESMAE (PT) und am Conservatorium van Amsterdam (NL) abgeschlossen hatte, entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Viola da Gamba und begann mit deren Studium. 2015 schloss sie am Royal Conservatory Den Haag (NL) ihr Gambenstudium mit dem Bachelor in Alter Musik bei Philippe Pierlot ab und 2018 einen Master an der Schola Cantorum Basiliensis (CH) bei Paolo Pandolfo. Wichtige künstlerische Impulse erhielt sie außerdem bei Meisterkursen  u.a. mit Baldomero Barciela, Rainer Zipperling, Atsushi Sakaï, Emmanuel Balssa, Amélie Chemin, Wieland Kuijken und Christophe Coin. Filipa Meneses gewann den Rotary Club Preis 2002, den „Zeca Afonso“ Preis 2009 und den 1. Preis des prestigeträchtigen „Prémios Jovens Músicos“ RTP (Kammermusik) 2012. Ihre jüngsten Einspielungen erschienen bei den Labels Naive (Capella Duriensis), Harmonia Mundi (in Zusammenarbeit mit Gli Incogniti- Amandine Beyer) und Passacalle (Sollazzo Ensemble).

Bruno

Hurtado

Gosalvez

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Viola da Gamba


Bruno Hurtado Gosalvez wurde in Barcelona geboren, wo er in einer Musikerfamilie aufwuchs. Schon als Kind ist er mit einer Vielzahl an musikalischen Stilen in Kontakt gekommen.

Im Alter von sieben Jahren begann er seine musikalische Ausbildung an Cello, Klavier

und Musiktheorie am Conservatori professional de musica de Badalona, und im Anschluss am Conservatori del Liceu in Barcelona. Als Stipendiat der Pau Casals Gesellschaft und der Generalitat de Catalunya setzte er seine Violoncello-, Barockvioloncello- und Gamben-Studien in Zürich, Bern und Trossingen fort. Aktuell widmet er sich unter anderem seiner Tätigkeit als Solocellist der Franz Schubert Filharmonia Barcelona. Ausserdem ist er Professor an der UniversidadNacional de Rio Negro (Argentinien).

Umfangreiche kammermusikalische Aktivitäten in Ensembles wie Le Parlament de Musique, Armonico Tributo Austria, dem Freiburger Barockorchester, Zefiro, L’Arpa Festante, El Gran Teatro del Mundo, Ad Fontes, La Grande Chapelle, D’istinto u.a. bilden einen wichtigen Bestandteil seiner Arbeit. Sein Interesse an elektronischer Musik führte zur Zusammenarbeit mit dem international bekannten DJ Swet.

Johanna Bartz

-


Renaissance-

Traverso und

Leitung


Die Flötistin Johanna Bartz stammt ursprünglich aus Norddeutschland, lebt heute in Basel und ist international als Musikerin tätig. Sie spielt mit Ensembles wie Le Concert des Nations (Jordi Savall), Anima Eterna Brugge (Jos van Immerseel), Gli Incogniti (Amandine Beyer), La Chimera (Eduardo Eguëz), der Akademie für Alte Musik Berlin, dem Zürcher Barockorchester, Berlin Baroque, Sollazzo Ensemble (Anna Danilevskaia), CONTINUUM (Elina Albach) oder Arlequin Philosophe (Pedro Memelsdorff). 2016 – noch während ihres Studiums – wurde sie Dozentin für Renaissancetraverso und Consort an der Schola Cantorum Basiliensis. Im selben Jahr hat sie das Renaissanceensemble astrophil & stella gegründet, das anlässlich des Luther-Jahres 2017 zur Rheinsberger Hofkapelle ernannt wurde. Sie spielte in Rundfunk- und CD-Aufnahmen für rbb Kulturradio, MDR, SR, SRF, Radio de la Suisse Romande, Radio Catalunya, Querstand, Coviello, Passacaille, discreet editions und unterrichtet als Gastdozentin europaweit, z. B. am Mozarteum Salzburg (A), der Universität der Künste Berlin (D), am Conservatorio A. Casella L’Aquila (IT), ESMUC Barcelona (ES) oder dem ESMAE Porto (PT). Sie ist Mitbegründerin und Kuratorin der Künstlerplattform „Phosphenes“. Sie widmet sich neben den historischen Flöteninstrumenten auch zeitgenössischen musikalischen Ausdrucksformen wie elektronischer Musik, Neuer Musik und Improvisation.

Johanna studierte in Berlin, Brüssel und Basel u.a. Querflöte und Instrumentalpädagogik bei Annette von Stackelberg sowie Traverso bei Christoph Huntgeburth, Barthold Kuijken, Anne Pustlauk, Anne Smith und Marc Hantaï. Während ihres Studiums wurde sie mit zahlreichen Preisen und Stipendien internationaler Wettbewerbe und Stiftungen ausgezeichnet.


CONCERT 6 - MUSIQUES SACRÉES À LA CATHÉDRALE DE PUEBLA
26.03.2023 - 17h00