27 févr. 2022
17h00
Église de Moesdorf

Die vier Jahreszeiten des Trobars 

In der mittelalterlichen Tradition des Trobars inspirierte die Beobachtung der Natur und des Laufs der Jahreszeiten den jeweiligen Poeten, sich der Dame seines Herzens zu entsinnen und seiner Liebe zu ihr Ausdruck zu verleihen: Lieder mit Bezug auf die verschiedenen Jahreszeiten entstanden, in denen die Empfindungen des Liebenden zu Phänomen der Natur das Jahr hindurch analog gesetzt wurden. So entstanden wunderbar emotionale Werke von erstaunlicher Vielfalt und beeindruckender Charakteristik. Der Mensch nahm die Natur als eine schaffende Kraft wahr und wurde als Teil ihrer Kontinuität verstanden, indem er ein neues Lied „fand“ (trobar – trouver), das sich mit den Empfindungen befasste, die der Wechsel und die immerwährende Wiederkehr der Jahreszeiten in ihm erweckten. Von Natur aus den Gesetzmäßigkeiten der Liebe unterworfen, wurde er seinerseits zum Schöpfer.

In diesem Programm werden die Besonderheiten des französischen und okzitanischen monodischen Repertoires untersucht, das in der um 1240 in Metz erstellten Handschrift St-Germain-des-Prés enthalten sind (Trouvère U, Troubadour X). Diese faszinierende Quelle zählt zu den frühesten musikalischen Zeugnissen der Tradition des Oïl und des Oc, und sie macht uns mit der überraschenden und klangvollen mündlichen Überlieferung des Mittelalters bekannt.